Wo schläfst du da eigentlich? Teil I

auf iphone7 geschrieben und für diese mobile Ansicht optimiert, da ich nicht mit dem pc reise…

Meine Schlafplätze von Osterburken bis Saint Jean Pied de Port – Teil I

Immer wieder wird der Pilger gefragt, stellt er sich selber die Frage, wo schläft man eigentlich, wenn man so lange unterwegs ist. Die Antwort ist relativ einfach: Überall wo es geht. Zur Liste von Herbergen geht es an einer anderen Stelle weiter, hier gibt es eine kleine Auswahl meiner Gute-Nacht-Plätze.

Im April startete ich in Deutschland, irgendwo gleich hinter Bad Dürkheim zieht der Jakobsweg in den Wald hoch. Eine Rimg_0416astbank (Bild 1) mit Blick über das Tal ist mein erstes Nachtlager. Vorher kaufe ich mir im Dorf Lebensmittel, vor allem Obst, aber auch Kekse und Schokolade, für den Ausklang des Tages immer gerne auch ein Bier.

Wenn ich morgens aufwache, kann es schon mal sein, dass mein Hut an der Bank festgefroren ist (Bild 2). In Rheinland-Pfalz und Saarland kreuzen sich ein paar Jakobswege. img_0420Ich irre zwischen den Wegen hin und her, weil ich einerseits nicht Asphalt fressen, andererseits aber die steilen single-trails für Wanderer nicht liebe, weil die low-rider aufsetzen und die Taschen ruinieren.

Die Nacht verbringe ich hinter Zweibrücken (Bild 3). Supermärkte bieten oft günstige Zeltmöglichkeiten: Sie haben Infrastruktur, Toilette, Einkaufsmöglichkeit, abends noch mal schnell die Zähne putzen oder die Akkus aufladen beim Chinesen. Ich mache von allen meinen Schlafplätzen Vorher-Nachher-Bilder, damit es im Zweifel kein Problem geben mag, ich würde meine Biwaks, Lager und Camps nicht sauber verlassen haben. Darüber hinaus bieten sie mit den richtigen Einstellungen am Smartie die Möglichkeit der Positionsbestimmung des letzten Aufenthaltsortes, wenimg_0435n man sich bei den Lieben meldet.

Manchmal beginnt es zu regnen und wenn man sich einmal entschieden hat, ohne Zelt zu biwakieren, damit man auch schnell wieder los kommt weil man unsicher ist, ob das Zelt für den Grundeigentümer in Ordnung geht, oder weil es mir morgens zu lange dauert darauf zu warten, dass die Zeltplane wieder tautrocken wird, dann schiebt man die Isomatte in die Hecke, wie dies nach dem Schießen von Bild 4 der Fall war.

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Bei Strassbourg kam ich in ein Naherholungsgebiet mit Seen und Teichen und Altarmen, Campingplätzen und Vereinsheimen (Bild 5). Alle diese kleinen Grundstücke der Dutzenden Anglervereine verboten zwar das Betreten. Aber das sollte wohlimg_0481 kein Problem sein. Also nutze ich Tische und Bänke und baue mein Lager unter dem Dach, gleich neben dem Grill für die Fische. Morgens weckte mich der Hund eines Fischers, der einen ganzen Lieferwagen voll Brote und Brötchen im See versenkte, nach denen die Fische nun schnappten. Wir einigten uns darauf, dass ich mich schleunigst vom Acker mache und er beaufsichtigte mich bis dahin, suchte alle Ecken ab danach, ob ich auch keinen „Scheiß“ hinterließ.

Ich wollte auf diesem Tripp kein Kochgeschirr mitschleppen sondern entweder die günstigen Dorfkneipen Südeuropas nutzen, oder von der Exotentheke der Krämerläden leben. Ich liebe Karotten und Annanas (Bild 6) und img_0536auch Brot. Wer so balaststoffreich ißt, muss schon wissen, wo er am Morgen seine Geschäfte verrichtet.

In Frankreich sind die meisten Überlandstrassen von Hecken gesäumt, so dass man nicht weit vom Weg immer auch eine Stelle findet, wo man unsichtbar ist und dennoch nicht abseits. Hier habe ich eines der wenigen Male auf der 2015-Tour das Zelt (Bild 7) aufgebaut, das ich noch in der Rubrik Ausrüstung vorstellen werde.img_0524

Wenn es nicht sein muß, dann verzichte ich aber am liebsten auf das Zelt. Das geht nicht bei bestimmten Wetterlagen und das geht vor allem nicht, wenn man in die Mückenhochburgen vordringt, also immer dann, wenn man am Wasser ist. Als ich in die Kirschanbaugebiete kam, gerade einmal Mitte April, schlief icimg_0553h in den Plantagen oder den Streuobstwiesen. In dieser Nacht ohne Zelt (Bild 8) zog eine Herde Wildschafe, Mufflons oder entlaufene Hausschafe über mich hinweg.

Einen ganzen Tag Regen hinter mir und einen weiteren vor mir suchte ich nach einem Campingplatz. Im Regen ist es in keinem Zelt toll, weil neben der Feuchte von außen auch die Atemfeuchte von innen nicht ordentlich diffundieren kann. Also suche ich nach trockenen Plätzen ohne Zelt und finde auf einem Platz, dass das Vordach (Bild 9) vor den Duschen völlig ausreicht. Wie man auf dem Foto an der Regenkante sieht, reichte es knapp. In solchen Sitiuationen ist es gut, wenn man nicht Leute, sondernimg_0582 Menschen trifft. Holländer teilten hier mit mir, was der Tauchsieder hergab. Dafür vergaß ich in der Dusche meine Ladekabel…

Wenn mich unterwegs der Regen überascht, dann besuche ich schon mal das Restaurant zur Goldenen Möwe, zumal es in aller Welt hier ein schlechtes, aber not-taugliches wifi-Angebot und Steckdosen unter den Sitzen an den Aussenwänden gibt. Wenn diese Mampfbuden nicht erreichbar sind, dann sind oft Bushäuschen die letzte Rettung. img_0617Wenn sie modern sind (Bild 10), dann taugen sie nur, um sich umzuziehen oder eine kleine Weile unterzustellen, denn sie sind aus Glas, zugig weil oben und unten nicht dicht und sie sind nicht so weit überdacht, dass man trocken steht/ liegt.

Wenn sie alt sind (Bild 11), meist aufgegeben, dann sind sie in Frankreich aus hässlichem Beton, aber zugfrei und dicht. In der Nähe solcher Betonhäuschen gibt es fast immer einen Bauernhof, denn wo es keine, also gar keine Menschen gibt, da machen Bushaltestellen keinen Sinn. Direkt gegenüber von dieser hier gab es einen demeter-Hof mit Käse und Wein und Gemüse.img_0616 Ich hab gut geschlafen und „gut gess“.

An der französischen Weinstrasse schlief ich einmal in einer „Garage“. Es war hinter einem Schloß ein in den Erdboden (Bild 12) geschobenes Loch, ohne Tore und Türen. Hier standen ein Nachkriegs-Citroën, Farbreste aber auch ein paar Kartons mit Silberbesteck, die der Schloßherr wohl über hatte. Ich hab sie da gelassen… img_0724

Auch in Frankreich werden immer mehr eheamlige Bahntrassen (Bild 13) zu Radwegen ausgebaut. voie vert, grüne Wege heissen sie meist. Es sind wunderbare Schnellwege, die domartig überwölbt sind vom Grün der Bäume. Beginnt es zu regnen, merkt man das erst verzögert und hat Zeit, das Cape herauszufingern; scheint die Sonne, ist es angenehm schattig. Zudem sind diese Wege hervorragend ausgestattet mit Bänken, Bistrots in den ehemaligen Bahnhöfen und mit übersichtlich großen Kilometerbeschilderungen sowie Hinweisen auf die nächsten Einkaufsmöglichkeitimg_0746en. Hier kann man nahezu überall  unbehelligt sein Zelt aufbauen oder hinter den Wällen verschwinden.

Ein sehr breites Tal, kläffende Köter, eine wenig anheimelnde Situation und ich bin totmüde. 50 Meter den Hang hinauf hat jemand einen neuen Garten in einem alten Weinberg angelegt. Ein Traktoranhänger (Bild 14) fällt mir ins Auge und mit dem letzten Licht des Tages, einer Dose Bier und frischem Obst beende ich eine 70-km-Etappe.

Bei Beaujolais, ich liebe diesen Wein, wenn er im Dezember nach Dimg_0783eutschland kommt, verfranse ich mich, denn der Aufstieg war so heftig, dass ich geil wie ein junger Bock die Abfahrt geniesse, statt auf den Weg zu achten. Also muss ich einen anderen Jakobsweg nehmen, radle entlang der französischen Sonnenautobahn und schlafe nur durch wenige Bäume und Sträucher getrennt gleich neben der Autobahn an einem der Parkplätze, wo mancher sich zu schnellen Geschäften trifft (Bild 15).

img_0921Ich will nicht neben der lauten Autobahn bleiben und nehme einen Abzweig weit hinauf in die Berge. Wieder Hunde ohne Ende und die Nacht bricht über mich ´herein. Ich starre auf meine OpenStreetMap (OSM) in der App von PocketEarth, die ich nur empfehlen kann. Mit zwei Fingern ziehe ich die Karte hoch bis auf Gullideckelansicht und finde diesen Hundesportplatz (Bild 16). Zunächst schlafe ich auf der Wiese, damit Schlafsack und Matte nicht versanden, später dann liege ich doch unter dem Dach.

In Le-Puy-en-Velay, einer der img_1062wichtigsten Etappen auf dem Weg nach Santiago gönne ich mir ein Hotel. Auf dem Foto also nicht das Lager, sondern der Blick auf die Kathedrale aus meinem Fenster (Bild 17). Ich wollte in die Pilgermesse und es wurde wie so oft dunkel, bevor ich mich rechtzeitig zu einem Lager entschliessen konnte. Am Morgen sehe ich, ich hätte direkt vor der Kirche den besten Schlafplatz überhaupt gehabt. Der Dom ist einen Besuch wert; erstens wegen der Lage, zweitens wegen der Treppen, drittens wegen der Sakristei und viertens wegen der singenden Nonne.

img_1083In Frankreich fährt niemand im Baustellenbereich langsam; niemand hat Angst vor Lackschäden durch Schotter und niemand bremst wie ein Vollidiot an dem milimeterhohen Absatz von einer alten auf eine neue Asphaltdecke. Dafür staubt es dann auf dreissig km (Bild 18), wenn man einen solchen Abschnitt passieren muss. Pause machen macht keinen Sinn, denn hier fährt man Tag und Nacht so. Also nix wie durch und hoffen auf einen Campingplatz.

Der kommt dann auch (Bild 20), was ich glücklicherweise von einem Rennrad

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fahrenden Franzosen erfuhr, den ich hier wiedertreffe und der dafür sorgt, dass mich der Platz nach den Regeln der Franzosen nix kosteimg_1125t: Kein Auto, kein Zelt, keine Gebühren. Die Dusche war geil! Und auch der Abend mit französischen Lehrern in der Taverne beim Bier. Wir waren uns einig, dass Schulklasen Pilgerreisen machen müssen und keine Freizeitparkbesuche.

Wir bleiben zusammen; irgendwo am Weg sieht man sich; dann sieht man sich wieder beim Kaffee; dann sieht man sich zwei Tage nicht und dann bleibt man zwei Tage zusammen. Nicht gerade Bettnachbarn, aber Isomattennachbarn. Ich lerne Tipps und Tricks und von meinem Goldschmied auf Radtour erzähle ich an anderer Stelle noch einmal. Der von Jean versprochene Campingplatz für den Folgetag ist gesperrt, meistens machen sie im Süden ebn erst im Juni auf. Also suchen und finden wir „pic-nic-area“ (Bild 21) und schlafen einmal mehr wie Herrgott in Frankreich unter dem Sternzelt. Am kommenden Morgen halten wir es wie so oft: Niemand wartet auf deimg_1138n anderen, aber am Abend wollen wir das Bier zusammen im Krug zu uns nehmen.

Es geht rauf und runter und am Abend noch eine Abfahrt von 30 oder 40 km. Wieder ein Camimg_1168pingplatz (Bild 22) und wieder der Vorteil, wenn man einen Franzosen kennt, der für einen verhandelt.

Manche Campingplätze sind ein Graus, die pure Hölle. Auf 10.000 km bleibt man gesund und keimfrei trotz Schweiß und Dreck und Schmodder und dann… Manchmal duscht man nur auf einem Campingplatz (Bild 23) und um nicht wieder schmutzig zu werden verlässt man ihn gleich nach der heissen Suppe. Ein paar mal fand ich Situationen vor, in denen mochte ich nicht einmal mehr das Handy zu Dokumentationszwecken aus der Jacke holen. Also schweigen wir hier davon bildhaft

img_1354Ich bin früh los im Jahr 2015 und so treffe ich kaum Pilger. Das ist dann irgend wann anders und man trifft auf hard core-Läufer. Mit Pferden und Eseln oder mit Kinderwagen, Schubkarre, Kinderroller oder trolley begegnen mir mehr und mehr Wanderer, je weiter man nach Westen kommt. Abenteuerliche Gefährte nehmen zu und neben der Deuter- und wolfskin-Markenfraktion sieht man viele Individualisten (Bilder 24 und 25) den Weg kreuzen. So konnte ich eine Menge über die koranische Kultur kennen lernen, aber davon ein andermal…img_1369

Für Wanderer sind solche Jakobswege (Bild 26) eine tolle Erholung nach den Asphaltrennbahnen der Vortage. Ich bleibe mal auf diesen Wegen, mal wechsle ich dann auf die Straße, nutze diese Wege aber für die Nacht. Herrlicher Untergrund, Schotterwiese, optimal für Zelt und Rücken. Es ist nicht wild, aber eben romantisch und abgeschieden und fußwohl. und windarm und … herrlich.img_1421

Man muss auch mal Glück haben. In Lectoure hatte ich richtig richtig Glück. Ich durfte im Bischofspalast nächtigen. Mein Rad stand zwei Kelleretagen tiefer neben dem Brunnen (Bild 27) aus dem Mittelalter. Herrlich – aber hier soll es nur kurz erwähnt sein als eine ordentliche Schlaffstatt.

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Ich wollte nicht in „blasiert“ (Bilder 28 & 30) schlafen, aber Garage „Faget“ war mir zu mittelalterlich, Also ab hinter die nächste Hecke. In Frankreich gibt es in Cafés meist kein Essen. man holt sich also etwas beim Bäcker und geht damit ins Café. Ein einziges Mal war das anders. Bei einem Bäcker gab es einen Automaten. Also sammelten sich dort die Pilger und einer ließ wohl schon vor Tagen das Blechschild, das man als Postkarte vom Camino verschickt liegen. Von da an war mein Rad auf dem richtigen Weg.img_1460

Je näher man an die spanische Grenze kommt, desto mehr Herbergen gibt es die so günstig sind, dass man getrost das Zelt eingepackt lassen kann. Allerdings sollte man in aller regel Abstand von der Gemeinschaftsverpflegung nehmen, denn der Lärm in jeder Fernfahrerkneipe ist geringer. Diese Gites comunal (Bilder 29 & 31) sind eine hervorragende Idee und immer gut angenommen. Hier treffen img_1586sich Menschen aus allen Schichten. Oft Pilger und Radpilger, die sich ihr gesamtes Gepäck jeden Tag zur nächsten Herberge schaffen lassen und dann ihre Etappe spazieren; zu Fuß oder mit dem taschenlosen Rad.

Tausende, ziemlich genau 7.000 Bilder habe ich unterwegs gemacht. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass Medien nicht mehr statisch sind, dass diesem „Bilderbuch und dem Blog und meinen anderen Seiten immer wieder mal etwas zugefügt wird, nicht fertig ist. Klar, stylish sieht das hier auch noch nicht aus, aber es sind eben nicht die Programme, mit denen ich gelernt habe, ein Magazin zu gestalten. Für heute und für Part one meiner Schlafstätten sind wir durch. Viel Freude beim Anschauen und nachträumen…img_1457

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