USB-Werk

April 2016. Knapp drei Monate lief ich vom Odenwald nach Rom. Völlig unnötig, weil ein Teil des Ansporns ja nicht die Lust am Laufen war, sondern die Garstigkeit böser Zungen, mein Vorjahresunterfangen, das Pilgern mit dem Rad nach Santiago, als Nicht-Pilgern abzutun und diese somit Lügen zu strafen. Die internationale Pilgergemeinschaft kennt Worte wie Rad-Wandern oder die Neuschöpfung Bicigrino für den Pilger mit Rad. Aber so engstirnig wie ich zu Beginn meiner Pilgerchaft glaubte, dass ein E-unterstütztes Rad kein Radfahren sei, so glaubten andere, dass jedes Rad dem Pilgern abträglich sei. Ich wollte es aber auch für mich wissen und beweisen. Aber das ist ja eine andere Geschichte

Ich fuhr also mit dem Fernbus von Rom nach Deutschlandzurück, regelte die absolut nötigen Dinge, telefonierte zwei Tage wie meschugge mit den Radläden der Region, aber alle wollten mir meinen Wunsch nach einem E-Werk nur per Bestellung erfüllen. Der Sohn meines Vaters ist nicht mit Geduld gesegnet; wenn er nach langem Abwägen von Forumslader zu E-Werk, von Rose zu ZEG-Händler sich entschieden hat, dann will er haben, tun und machen und zwar sofort. Ein einziger Laden in erreichbarer Nähe hatte, was ich wollte, in Heidelberg. Ich ließ mich und mein Velodeville von meiner Regierung nach Heidelberg kutschieren, schlenderte wegen der winterlichen Mittagspause noch durch die outdoor-Läden in Bahnhofsnähe, parkte sodann in zweiter Reihe und ließ mir den seit zwei Jahren vor sich hinstaubenden Karton um runde 130 EUR und somit 30% teurer als im Netz aushändigen.

Der Händler wollte das Wunderwerk der Technik installieren – gegen Geld – aber eben auch nicht gleich. Ungeduld, you know? Und Deutsche Bahn, you understand? In 140 Minuten würde mein Zug nach München gehen, wo einer der letzten deutschen Nachtzüge nach Rom, Lupus, sicher nicht auf mich und mein Rad warten würde. Und wenn alles nur halb so easy ist, wie Hersteller und Händler behaupten, dann sollte ich das Ding wohl zum Laufen bringen.

Am Bahnhof hob ich mein – Rad ist viel zu wenig für etwas so Verlässliches – vom Kupplungsträger, schmiss alle Taschen daneben, baute alles am Rad an, verabschiedete mich für weitere drei Monate von dem was man Alltag nennt und gab Kuss und Umarmung für die unendliche Geduld meiner Frau.

Der Pufferakku und seine an einem Stück Kabel auslaufende USB-Buchse. In der Lenkertasche verstaut und beim Abstellen besser abgeschraubt...

Der Pufferakku und seine an einem Stück Kabel auslaufende USB-Buchse. In der Lenkertasche verstaut und beim Abstellen besser abgeschraubt…

Halsbrecherisches Unterfangen, mit einem bepackten Reiserad die Rolltreppe zum Bahnsteig hinunter zu wollen. Der Versuch das Rad mit dem das Siegel „Barrierefreiheit“ garantierenden Fahrstuhl nach unten zu bekommen ist Milimeterarbeit und braucht gefühlt eine halbe Stunde, um das Schutzblech aus der Lichtschranke hinter die Thyssentür zu bekommen. Und das alles an einem Ort der Eile.

Auf dem Bahnsteig packe ich die Kiste aus: Gummis, Draht, Pufferakku, merkwürdig aussehende Kleinteile, die mit normalerweise Angst einflößen, denn Metall, Physik und Elektrik waren nie meine Stärke. Ich folge den Beschreibungen der Anleitung pinibel mit klammen Fingern, bringe es zu meiner Überaschung hin, den neuen Stecker mit dem Draht meiner Lichtanlage und dem Draht des Laders zusammen zu friemeln, stecke den neuen aber baugleichen Stecker in die Buchse des Nabendynamos, bringe die nötigen Gummis an den richtigen Stellen an und verstaue den Pufferakku in meiner Lenkertasche. Unglaublich. Ich habe es hinbekommen. Ohne irgendwelche Probleme, ohne aufwändiges Werkzeug, ohne die Nummer des Customer Services zu wählen. Ich fahre ein paar mal auf dem Bahnsteig bis zu seinem Ende vor dem Abschnitt A um zu sehen, ob es nur täuscht, aber: wann immer ich schnell genug fahre, springt die Ladeanzeige meines Iphones auf grün bzw zeigt den bekannten Ladeblitz oben rechts in der Ecke.

Anfänglich hatte ich Angst, die Energie könne nicht reichen für meine Bedürfnisse und so hatte ich zwei Powerbanks, das iphone und den ipod bei jeder sich bietenden Gelegenheit nachgeladen. Mit dem USB-Werk hatte ich bald raus, dass Musikhören über Kopfhörer während der Fahrt nullo problemo ist und ich am Abend dennoch einen vollen Akku im smartphone habe. Ja, Forumslader sind billiger, vielleicht besser, aber ich bin Technik-Freak, nicht Techniker-Freak. Ich will nicht messen, dübeln und löten, sondern genießen, dass es funtioniert. In Italien, Albanien, Griechenland, Türkei, Zypern und all seinen fremd bewohnten Teilen und auch in Israel hatte ich keinen Mangel an Strom – so lange ich mich nur schnell genug mit dem Rad bewegte.

Kabel des USB-Werks mit dem Kabel der Lampe verdrillen und in den neuen Stecker verklippen. Stecker in den Nabendynamo. Fertig. Ausführliche bebilderte Anleitung liegt der Packung bei.

Kabel des USB-Werks mit dem Kabel der Lampe verdrillen und in den neuen Stecker verklippen. Stecker in den Nabendynamo. Fertig. Ausführliche bebilderte Anleitung liegt der Packung bei.

Das USB-WERK  von Busch & Müller gibt 5 V Spannung und bis zu 500 mA Stromstärke ab. Ein integrierter, kleiner Pufferakku stellt sicher, dass auch bei langsamer Fahrt und kurzen Stopps die Spannungsversorgung konstant bei 5 V bleibt.

Das USB-WERK ist damit bestens geeignet zum Laden/Betreiben von USB-Geräten aller Art: Mobiltelefon, GPS, MP3-Player etc. Enthält Ausgangskabel mit USB-Buchse.

  • Mobilgeräte betreiben/aufladen per Nabendynamo
  • Integrierter Pufferakku
  • Universelle Anschlüsse (u.a. USB)
  • Spritz- und regenwasserdicht
  • Art.-Nr.: 361BW
  • UVP: 99,00 €

http://www.bumm.de

Nachtrag:

Ich habe das USB-Werk inzwischen auf über 3.000 km in extremer Hitze, im Staub, im Regen und im Dezember 2016 auch im Schnee, bei Kälte und auch abseits asphaltierter Wege genutzt. Ich bin zufrieden.

Offenlegung:

Ich habe das Gerät käuflich, ohne Preisvorteil, ohne Sponsoring oder irgend eine Vorteilsgewährung in einem allen Kaufinteressierten zugänglichen Fahrradladen in Heidelberg erworben. Wenn man nicht in Zeitnot ist, kommt man der unverbindlichen Preisempfehlung von 99 EUR sicher näher, als wenn man unmittelbar vor dem Tourstart jeden Preis akzeptieren muss.

Nach 30 Minuten ist das USB-Werk einsatzbereit am Bahnhof montiert. Ready for take-off. April 2016. Mit dem Rad über Rom, Albanien, Griechenland, Türkei und Zypern nach Israel.

Nach 30 Minuten ist das USB-Werk einsatzbereit am Bahnhof montiert. Ready for take-off. April 2016. Mit dem Rad über Rom, Albanien, Griechenland, Türkei und Zypern nach Israel.

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